„Raus aus dem Hamsterrad“ – Bernd Riexinger zum „Neuen Normalarbeitsverhältnis“

26. Juni 2018  Betrieb&Gewerkschaft

Bernd Riexinger in Heilbronn. Jessica Tatti nutzte die Gelegenheit das Konzept kennenzulernen.

Bernd Riexinger, frisch gewählter Parteivorsitzender der LINKEN und Bundestagsabgeordneter, stellte im Heilbronner Gewerkschaftshaus sein Konzept „Neues Normalarbeitsverhältnis“ vor. Was etwas sperrig klingt ist eine notwendige Antwort auf viele dringende Fragen in der heutigen Arbeitswelt.

Nach einem Grußwort des Geschäftsführers der DGB-Region Nordwürttemberg, Bernhard Löffler, stieg Riexinger ins Thema ein. Befristungen, Missbrauch von Werksverträgen und Leiharbeit sind fester Bestandteil der heutigen Arbeitswelt. Diese unsicheren Verhältnisse, die den Beschäftigen kein planbares Leben ermöglichen, möchte der Linke abschaffen. Das aktuelle Jobwunder, mit dem sich die Bundesregierung gerne rühmt, fuße vorallem auf Minijobs und ungewollte Teilzeit. So gibt es in der Textilbranche Verträge für flexible Einsätze von 10 bis 20 Stunden in der Woche. Ohne Aufstockung vom Amt kann so kein Leben gestaltet werden. Zum Konzept gehört ebenfalls, dass die Löhne steigen müssen. In den letzten 20 Jahren seien die Profite der Unternehmen um ein Vielfaches der Lohnerhöhungen gestiegen. Reixinger, der langjährig Geschäftsführer der Verdi-Region Stuttgart war, fordert deshalb eine stärkere Tarifbindung, im Notfall auch mit allgemeinverbindlichen Tarifverträgen. Die um sich greifende Tarifflucht müsse gestoppt werden. Weitere Punkte: Die Arbeit in den sozialen Berufen muss deutlich aufgewertet werden, nur so lasse sich die Lücke in den Verdiensten für Frauen schließen. Und Riexinger fordert Schritte zu mehr Wirtschaftsdemokratie, die stärkere Mitsprache der Belegschaften in den Betrieben. Das hieße, dass Standortverlagerungen wie bei Knorr in Heilbronn vermieden werden könnten. Ein zentraler Punkt in Riexingers Konzept ist die Arbeitszeitverkürzung. Es gibt einerseits jährlich 2 Milliarden Überstunden in Deutschland, die meisten davon unbezahlt und andererseits ungewollte Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit. Daraus kann eine 30 Stundenwoche für den Vollerwerb entstehen: „Die Arbeit muss sich um das Leben drehen, nicht andersherum.“  Den dazu nötigen Lohnausgleich haben sich die Beschäftigten durch die Produktivitätstseigerungen der letzten Jahrzehnte bereits verdient.

Der Heilbronner Gewerkschaftssekretär Rafael Mota-Machado moderierte den Abend und rief zum Abschluss die Anwesenden dazu auf in einer örtlichen Gruppe der Arbeitsgemeinschaft Betrieb&Gewerkschaft die Diskussion weiterzuführen und vor Ort entsprechende Aktionen der Beschäftigten zu unterstützen.  

Die ebenfalls anwesende Bundestagsabgeordnete Jessica Tatti nutzte die Gelegnheit um mit Betriebsräten aus der Region ins Gespräch zu kommen. Sie ist Mitglied im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales und betreut das Heilbronner Wahlkreisbüro der LINKEN.


Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*